60. Linguistisches Kolloquium an der Universität Warschau

a group of people in front of a building

by Dinah Krenzler-Behm

Vom 17.09.2025 bis zum 19.09.2025 habe ich am 60. Linguistischen Kolloquium (LingColl 2025) teilgenommen, das in diesem Jahr von der germanistischen Abteilung der Universität Warschau ausgerichtet wurde. Bei dem Linguistischen Kolloquium handelt es sich im Grunde genommen um ein Unikum, das auf eine langjährige Tradition zurückblicken kann. Diese wissenschaftliche Zusammenkunft wurde nämlich bereits im Jahre 1966 (einem ganz besonderen Jahr 😊) ins Leben gerufen, insbesondere, um dem wissenschaftlichen Mittelbau ein Forum zu bieten. Eine Besonderheit des Linguistischen Kolloquiums liegt darin, dass es jedes Jahr in einem anderen Land stattfindet. In lebhafter Erinnerung ist mir selbstverständlich das Jahr 2022 geblieben, als „unser“ Studienprogramm als gastgebende Einrichtung fungierte! 2023 übernahmen die Kolleg*innen der Universität Vilnius das Zepter und im vergangenen Jahr war die Universität Zürich federführend, und zwar unter Leitung der angesehenen Linguistin em. Prof. Christa Dürscheid, die zudem in diesem Jahr als Plenarvortragende geladen war und den Zuhörenden in ihrem Vortrag Von der Medienlinguistik zur KI-Linguistik beindruckende und teilweise verstörende Einblicke in die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine (Künstlicher Intelligenz) gewährte. Bei den weiteren Plenarvortragenden handelte es sich u.a. um Carolina Flinz (Professorin für Germanistische Linguistik an der Universität Mailand) und Prof. Thorsten Roelcke, dessen Schwerpunkte insbesondere in den Bereichen Fachsprachen und berufliche Kommunikation verankert sind.

Auch die verschiedenen Sektionen boten neue Erkenntnisse. Mein Interesse richtete sich hierbei vor allem auf die Sektion 1 (Interdisziplinäre Einblicke in Fachkommunikation: Von Lehnwörtern bis zur Terminologie der Psychologie), die Sektion 4 (Aspekte des Sprachtransfers und der Kommunikation in Beruf und Medien) sowie die Sektion 7 (Zukunft der Fachsprachendidaktik: Innovationen und Praxisrelevanz). Was die einzelnen Beiträge betrifft, sind mir insbesondere die folgenden beiden Vorträge im Gedächtnis haften geblieben: Zwischen Präzision und Persuasion: Fachsprachliche Strategien der Werbesprache im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und Greenwashing (Jakosz & Wilke) sowie Philologie 2.0. – innovative Studiengangkonzepte im Kontext berufskommunikativer und fachsprachendidaktischer Spezifik globaler Arbeitsmärkte (Makowski & Stawikowska-Marcinkowska).

Am 18.09.2025 hielt ich einen Vortrag unter dem Titel Macho-Chef aus dem hohen Norden? Betrachtungen zur Figur Herr Erkonnen aus der deutschen Comedy-Serie Merz gegen Merz, der der Stereotypforschung zuzurechnen ist.

Das Rahmenprogramm verfügte über verschiedene Facetten: Neben dem obligatorischen Konferenzdinner, bei dem sich die Tische unter polnischen Köstlichkeiten geradezu bogen, stand selbstverständlich (wie könnte es in Warschau auch anders sein) ein Chopin-Konzert sowie ein Besuch des Chopin-Museums auf der Agenda. Den krönenden Abschluss bildete ein ganztägiger Ausflug in den „wilden“ Nordosten Polens, an dem ich jedoch leider aus Zeitgründen nicht teilnehmen konnte. Die Kaffeepausen und weitere informelle Begegnungen mit Kolleg*innen boten eine hervorragende Gelegenheit, um bereits bestehende Bekanntschaften zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen.

Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Linguistische Kolloquium!